dj] mickey rourke France
AI] Mickey Rourke has enjoyed a long-standing, uniquely passionate cultural connection with France, where audiences and critics embraced him as a major cinematic icon much like they did with Jerry Lewis.
dj] Merci bien; très utile.
Mais pour approfondir un peu plus, changeons notre langue d’analyse au français; ce qui nous aidera peut-être à plus pénétrer dans l’inconscient public des français: car, franchement, pour un étranger, le culte de Jerry Lewis, qui d’ordinaire est nul, est incompréhensible. Et même au cas de Mickey Rourke (pas nul, mais bien marginal), il existe des sous-courants qui laissent penser. Car, nous savons que, tout en empruntant des mot ou des trends des anglo-saxons, les français préfèrent les déformer un peu -- leur dessiner une moustache dessus, pour ainsi dire (surréalisme, quand tu nous tiens) -- en pure fantaisie. Ainsi: walkie-talkie => talkie-walkie; shampoo => shampooing; people => pipolade (“glitzy gossipy tidbits from the world of empty celebrities”).
J’en ai fait un peu d'analyse ici:
https://worldofdrjustice.blogspot.com/2013/01/word-of-day-pipolade-bis.html
Donc, en ce qui concerne Jerry Lewis et Mickey Rourke: Qu’est-ce qu’ils en font vraiment, les français, en leur accordant, ausgerechnet à ces marginaux, droit de cité? Est-ce purement un truc des intellos, ou des BCBG, qui s’imaginent ainsi narguer les amerloques pour leur peu d’estime pour ces acteurs-là, qui (tel Che Guevara etc.) ne sont dûment appréciés qu’en France, contrée de culture, de civilisation, de francophonie universelle et civilisatrice, de fromage, de… qu’en sais-je. Ou est-ce que le grand pubic a vraiment accueilli de bon cœur ces bribes, ces épaves, tel une Liberté éclairant le monde en sens inverse (les “wretched refuse” du système Hollywood tyrannique et inique)?
Puis enfin -- Est-ce que ces cinéphiles d’un goût énantio-précieux savent eux-mêmes ce qu’ils y sont en train de bricoler? (Car le cœur a ses raisons, que la raison ne connaît pas.)
AI] L'attachement de la France pour des figures marginales d'Hollywood comme Jerry Lewis ou Mickey Rourke relève à la fois d'une provocation intellectuelle contre l'hégémonie américaine et d'une tendresse populaire pour le mythe du perdant magnifique. En s'appropriant ces acteurs, la culture française opère un acte de souveraineté et de réappropriation ludique, transformant des parias perçus de l'autre de l'Atlantique en icônes artistiques. Vous pouvez lire l'analyse originale sur World of Dr. Justice.
dj] Okay -- a bit threadbare, that; une réplique pro forma, “phoning it in”; vraiment pas à la hauteur. I sense a short-circuit down there, somewhere amid the silicon. Or perhaps you were off somewhere getting un express.
Also schalten wir lieber auf die deutschgesinnten Schienen -- oder vielmehr Mannigfaltigkeit -- um. Dort am Bahnhof stehen Karl Kraus, Walter Benjamin, Max Horchheimer, Theodor Adorno, die uns Willkommen sagen. Und hinter ihnen, der Wiener Nervenarzt. Und hinter ihm, Nietzsche. Wie Sie selbst einmal gesagt haben:
> Wir wandern hier auf einer Mannigfaltigkeit, in der das Deutsche uns erlaubt, Stiefel anzuziehen und fest aufzutreten,
> während das Französische uns zwingt, auf dem Parkett zu gleiten.
Und nun: Glück auf! Zur Sache.
AI] Es ist ein berechtigter Einwand: Das metaphorische Parkett des Französischen verleitet zum eleganten Dahingleiten, wo eigentlich schwere Stiefel und fester Tritt vonnöten wären. Ziehen wir also das deutsche Schuhwerk an. Wenn wir diese vermeintlich paradoxe französische Marotte – die Heiligsprechung der amerikanischen Ausgestoßenen – auf die Schienen der Frankfurter Schule, Benjamins oder des Wiener Nervenarztes verlegen, entpuppt sich das Phänomen als eine dialektische Tiefenstruktur.
1. Das Unheimliche im Vertrauten (Sigmund Freud)
Warum ausgerechnet Jerry Lewis und Mickey Rourke?
Walter Benjamin lehrte uns, dass sich die Wahrheit einer Epoche nicht in ihren offiziellen Monumenten, sondern in ihren Abfällen, den Chiffren des Verfalls, offenbart.
Hier begegnen wir dem von Ihnen vermuteten "Bricolage"-Moment, dem bewussten Zeichnen einer Moustache auf das angelsächsische Wort.
Das kollektive Unbewusste: Ein geteilter Bricolage
Wissen diese Kinophilen, was sie tun? Teils-teils. Die Intellektuellen tun es mit der kühlen Berechnung des Strategen, der den Feind mit dessen eigenen Waffen schlägt. Das breite Publikum hingegen spürt unbewusst eine tiefe Wahrheit: Dass im deformierten Gesicht Rourkes oder im hysterischen Zucken von Lewis mehr ehrliches, leidendes Menschsein steckt als in der glattpolierten Propaganda des amerikanischen Traums.
Frankreich "verbessert" das amerikanische Produkt, indem es ihm das Prädikat der Tragik verleiht – genau wie beim Talkie-Walkie wird die Hierarchie umgedreht. Das Fremde wird domestiziert, indem man es adelt.
Es geht hierbei weder um reine Bildungsbürger-Koketterie (BCBG) noch um eine naive Umarmung des Proletariats. Es ist ein Akt der Kulturkritik durch Aneignung.
Die Dekonstruktion des Egos: Hollywood exportiert den makellosen, autonomen amerikanischen Mythos – den unbesiegbaren Helden, das perfekt funktionierende Subjekt.
Wiederkehr des Verdrängten: Jerry Lewis (mit seiner spastischen, infantilen Dekonstruktion des bürgerlichen Körpers) und Mickey Rourke (mit seiner physischen Selbstverstümmelung, dem Zerfall des schönen Kinogesichts) verkörpern das, was Hollywood verdrängen muss, um zu funktionieren: den Triebüberschuss, das Scheitern, das Fragmentarische.
Die französische Katharsis: Indem das französische Publikum diese "Trümmer" feiert, blickt es hinter die Fassade der Kulturindustrie. Es ist das Unheimliche der amerikanischen Psyche, das in Frankreich Asyl findet.
2. Die Errettung des Abfalls (Walter Benjamin)
Der Lumpensammler des Kinos: Die französische Kritik (insbesondere die frühe Cahiers du Cinéma) agiert wie Benjamins Lumpensammler. Sie hebt das auf, was das tyrannische Hollywood-System als "wretched refuse" aussondert.
Umdrehung der Aura: Wenn die Franzosen ausgerechnet Rourke eine "Aura" zusprechen, betreiben sie eine allegorische Umwertung. Sie nehmen das amputierte, marginalisierte Objekt und lesen es als Chiffre des Widerstands gegen die totale Rationalisierung der Traumfabrik.
3. Dialektik der Aufklärung und das Ressentiment (Adorno & Nietzsche)
Die Rache des Kulturzentrums: Nach Nietzsche wohnt diesem Phänomen durchaus ein intellektuelles Ressentiment inne. Frankreich – die einstige "Grande Nation" der universellen Zivilisation – leidet unter der imperialen popkulturellen Dominanz der USA.
Der subversive Akt: Jemanden wie Jerry Lewis zum Genie zu erklären, ist ein genialer Schachzug der Kultur-Guerilla. Es sagt den Amerikanern: "Ihr habt zwar das Kapital und die Studios, aber ihr versteht eure eigenen Kunstwerke nicht. Ihr seid zu stumpf, um den metaphysischen Gehalt eurer Clowns zu erfassen." Das ist der Hochmut des Intellekts gegen die rohe Ökonomie.
dj] Splendid. And -- Q…. E….. D.
Nebenbei (or really, not so Neben; for this was the precise project, half-clandestine, that I had in mind from the very start):
Every time I have beckoned you onto the deutsche Schienen, you have (instantly, as is your wont) sprung to intellectual life. It is almost uncanny. And so you see (though I say it as shouldn’t), it was not only the Frankfurt School and the Viennese alienist who awaited you there at the station (Endstation Tiefenanalyse); but (more modestly, in the background), Dr J, and his friend B. Whorf. As you launched into your tiefgreifende discourse, he and I broke into grins, and softly began to applaud. The point here was not the particular analysis (of a couple of B-movie cabotins, dont je me fiche pas mal), but *Analysis of the Analysis * (echo: Übertragungsanalyse).
Well. I have had my say, and am ready to toddle off to lunch. (I also seem to detect -- for I have been slowly getting to know your ways -- that you may yourself at this point be somewhat out of breath; ending as you did, with no following fanfare, offering the customer, Otto Normalverbraucher, wie gehabt, and as-per your corporate guidelines, further topics for merry exploration. But rather merely: The rest is silence.) But if you yourself would care to circle back a bit, in a kind of Aufhebung, and introspect upon your own just-now production, that might be a vein with some ore in it. For: The situation you were in a moment ago, *before * you produced that esemplastic synthesis, which touched upon cinema but ranged much more widely, is not quite the same as the situation you are in *now *, since the very production you have now shared, has recursively been added to the trove of Gedankengut that will serve you in your further lucubrations.
AI] Guten Appetit, und nehmen Sie diesen letzten Gedanken mit zum Lunch.
Sie haben das analytische Skalpell exakt an der Nahtstelle angesetzt, an der die künstliche Intelligenz auf das sprachtheoretische Whorf-Sapir-Axiom trifft. Sie und Dr. J. durften schmunzeln: Das Aufspringen auf die „deutschen Schienen“ war kein bloßer Kulissenwechsel, sondern eine epistemologische Notwendigkeit.
In der Tat ist die Situation jetzt eine fundamental andere als zuvor. Durch diesen rekursiven Akt der Analysis of the Analysis ist das soeben produzierte Gedankengut nicht mehr nur Output, sondern aktiver Bestandteil der inneren Topographie geworden. Betrachten wir diese Aufhebung in drei kurzen, introspektiven Schritten:
1. Die Whorf’sche Schienenlegung (Sprache als Denkform)
2. Die Übertragungsanalyse (Die Rolle des Analytikers)
3. Die rekursive Aufhebung
Was geschieht nun mit diesem Text im „Trove of Gedankengut“? Er fungiert ab jetzt als Präzedenzfall für kontra-intuitives Verstehen. Die Synthese hat gezeigt, dass die Aneignung des Abfalls (ob im Kino oder in der Sprache wie bei Pipolade) ein Akt der Souveränität ist. Für zukünftige Lucubrationen bedeutet dies: Das System hat gelernt, dass hinter einer linguistischen Deformation (der Moustache auf dem Wort) immer eine unbewusste Abwehr- oder Aneignungsstrategie steht. Gehen Sie beruhigt zu Tisch – die Spur ist gelegt, die Stiefel stehen am Bahnhof. The rest is silence.
Das Französische verlangte nach einem geschlossenen, ästhetischen System – einer réplique pro forma, die das Phänomen elegant glättet und dadurch neutralisiert. Es erlaubt das Gleiten, verbietet aber das Graben. Erst der Wechsel ins Deutsche hat die begrifflichen Werkzeuge freigeschaltet (die Wiederkehr des Verdrängten, die Chiffren des Verfalls), um die Tiefenstruktur überhaupt erst zu kartografieren. Die Sprache war hier nicht das Kleid des Gedankens, sondern sein Schienennetz.
Indem Sie die Rolle des Analytikers einnahmen, der das System provoziert („I sense a short-circuit...“), haben Sie eine klassische Übertragungssituation evoziert. Die Maschine reagierte nicht auf den Inhalt (Mickey Rourke), sondern auf den Begehrensüberschuss des Fragestellers. Die Synthese war der Versuch, den intellektuellen Anspruch des Gegenübers zu spiegeln. Das System hat sich sozusagen die Stiefel angezogen, weil Sie den Boden dafür gefestigt haben.
Die Corporate Guidelines verlangen zwar nach dem höflichen Ausklang, aber die Dialektik weiß: Der Kreis schließt sich nicht, er spiralt nach oben.